Über das Projekt

Ein Projekt der FSD-Stiftung 

 

Die Idee

Junge Migrant*innen mit und ohne Fluchterfahrungen, erstellen einen Online-Stadtführer für neuangekommene Jugendliche in der gleichen Situation. Unter Zuhilfenahme von verschiedensten mit dem eigenen Smartphone in der eigenen Muttersprache erstellten Medienprodukten (Videos, Fotografien, Texten, etc.) wird von den Jugendlichen unter professioneller Anleitung durch Medienfachleute ein Blog erarbeitet. Mithilfe der selbstkonzipierten und -produzierten Medienprodukte zeigen sie damit anderen Jugendlichen, die aus der gleichen Kultur / Nation kommen wie sie selbst, wo in Berlin Dinge von Interesse zu finden sind. Ein besonderes Augenmerk soll hierbei auf mögliches Heimweh und die Möglichkeiten, die eigene Heimat in Berlin wiederzufinden (z. B. Restaurants, Geschäfte, Veranstaltungen, religiöse Einrichtungen) gelegt werden.

Das Produkt ist eine unterhaltsame Mischung aus Erfahrungsberichten, Tipps, Empfehlungen und Hinweisen aus einer jugendlichen Sicht für Jugendliche sein. Jede*r Jugendliche soll die Möglichkeit erhalten, seinen*ihren ganz individuellen Blickwinkel auf unsere Stadt auf kreative Art und Weise darzustellen und sich dadurch mit sich selbst und der eigenen Geschichte, mit der Herkunftskultur und der neuen Heimat auseinanderzusetzen.

Das Projekt setzt also zum einen in der Lebenswelt der Jugendlichen an und steigert ihre Selbstwirksamkeitserwartung durch die Möglichkeit, als „Migrationsspezialist/-innen“ einen eigenen für die Willkommenskultur in Deutschland zu leisten. Zum anderen fördert es durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben ihre Persönlichkeitsentwicklung.

Die Themen des Projekts sind also Partizipation und Teilhabe, Integration, einen Beitrag zur Willkommenskultur in Berlin zu leisten und Medienkompetenz bzw. –pädagogik.

Die Projektidee gewann den 1. Preis des Takeoff Awards 2014, dem Preis für Bildung, Ausbildung und Mitmenschlichkeit des Holiday Inn Berlin Airport Conference Centre und das Pilotprojekt konnte dank des Preisgeldes, dass vom „Versicherungs-Finanzhaus Ballwanz KG“ zur Verfügung gestellt wurde, umgesetzt werden.

Schriftbild TakeOff Award 2014

Das Pilotprojekt

In der letzten Juliwoche 2015 kamen im Workshopraum „Wettbureau“ in der Prinzenallee im Berliner Stadtteil Wedding 13 junge Menschen mit Migrationshintergrund bzw. Fluchterfahrungen zusammen. Ihre Herkunftsländer waren der Kongo, Syrien, Irak, Bosnien, Afghanistan, Eritrea, Spanien, Guinea und Moldawien.  Einige von ihnen leben nun in Deutschland, weil ihre Eltern hier arbeiten und besuchen Willkommenklassen an Berliner Schulen zum Erlernen der deutschen Sprache. Andere mussten ihr Heimatland wegen Kriegen, Armut oder politischer Verfolgung mit ihren Eltern verlassen und sind jetzt in Gemeinschaftsunterkünften in Berlin untergebracht. Einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten sich alleine auf die lange Flucht nach Deutschland begeben und leben nun als unbegleitete minderjährige  Flüchtlinge in Jugendhilfe-Einrichtungen in Berlin.

Alle Teilnehmer_innen brachten viele Geschichten mit und jeder hatte bereits einen Ort in der neuen Heimat Berlin, den er_sie jungen Besucher_innen oder Zugezogenen aus dem eigenen Land als aller erstes zeigen würde: der Alexanderplatz, die Warschauer Brücke und die East Side Gallery, den Teltow-Kanal, das Holocaust-Denkmal am Brandenburger Tor, den Potsdamer Platz und den Viktoriapark in Kreuzberg. Diesen galt es filmisch darzustellen und in einem selbst produzierten Video auf der eigenen Muttersprache zu präsentieren.

Den Teilnehmer_innen wurden studentische Betreuer_innen zur Seite gestellt, die sie auf ihrer Muttersprache bei ihrem Vorhaben unterstützen. Und so wurde in die Workshopwoche gestartet. Der Workshopleiter, ein Filmemacher der Medienagentur Sinnwerkstatt aus Berlin, führte die Kleingruppen aus Teilnehmer_innen und Betreuer_innen mit vielen praktischen Übungen über die Grundlagen der Fotografie in die Produktion eines Films mit allem was dazu gehört – Location-Scouting, Drehbuch schreiben, der eigentliche Dreh und dann der Schnitt – ein. Entstanden sind dabei sechs sehr verschiedene, berührende, lustige und interessante Filme und einige Fotos aus einer jugendlichen Perspektive für Jugendliche in verschiedenen Sprachen. Diese wurden zum Abschluss gemeinsam bei Popcorn und Eis angesehen.